5 Gründe, warum Du einen Menschen anziehend findest oder Dich verliebst

Heute schreibe ich über ein Thema, das mich seit jeher sehr berührt – die Sehnsucht. Sie begegnet mir täglich in meiner Praxis genauso wie im Alltag und zeigt mir ihre vielen Gesichter. Sehnsucht kann erfüllen und tragen, wenn sie in die Tiefe leitet und zum Wachstum anregt. Sie kann aber auch an Dir reissen, antreiben ohne Ruhe zu gönnen und bisweilen Schmerz und Leid verursachen. Im Folgenden betrachte ich den Sehnsuchtsaspekt innerhalb unserer Beziehungsgefüge und gehe der Frage nach, wofür sehnsuchtsvolle Anziehung zwischen zwei Menschen stehen kann.

Jeder von uns hat sich schon ein oder mehrere Male zu anderen Menschen hingezogen gefühlt. Dabei meine ich nicht jene Anziehung, die auf Oberflächlichkeiten wie körperliche Attraktivität beruht, sondern dieses sanfte Ziehen zu einem anderen Menschen hin – dieser zärtliche innere Schubs, sich auf den anderen Menschen zuzubewegen, und der drängende Wunsch, sich mit ihm verbinden zu wollen. Meist wird diese Anziehung begleitet von intensiven Gefühlen, die oft in Verliebtheit münden. Der Anziehung zu folgen und sich auf den anderen Menschen einzulassen ist das, was sich dann meist als Bedürfnis im Inneren formt. Und dieses Bedürfnis kann stark und bestimmend werden, selbst wenn Dir die Vernunft vielleicht sagt, dass Du davon absehen solltest. Sei es, weil Du bereits in einer festen Partnerschaft lebst und Dir Treue wichtig ist, oder sei es, weil Du bereits erahnst, dass Du in der Beziehung verletzt werden wirst.

Viele Menschen erleben genau diese Situation und fragen sich dann, was mit ihnen geschieht, und was diese intensiven Gefühle für den anderen Menschen hervorruft. Was zieht uns zu einem anderen Menschen hin? Warum verlieben wir uns in bestimmte Menschen und in andere nicht? Wofür steht diese sehnsuchtsvolle Anziehung?

Wenn ich meine Beobachtungen zusammenfasse, dann finde ich verschiedene Gründe für diese Anziehung:

1. «Gleich und gleich gesellt sich gern» ist wohl die einfachste Erklärung. Wenn Du einen anderen Menschen triffst, der sich für dieselben Themen und Aktivitäten interessiert, Deine Ansichten oder Werte teilt, mit dem Du lachen und Dich gut unterhalten kannst, dann empfindest Du spontane Sympathie und fühlst Dich direkt wohl und verbunden. Wer uns ähnelt, der versteht uns und erscheint uns vertrauenswürdig. Die Anziehung gleicht dann in gewissem Sinne einer Liebeserklärung an das eigene Wesen und nährt unser Bedürfnis nach Selbstverständnis und Selbstakzeptanz.

2. Als weitere Erklärung für die Anziehung sehe ich die Hoffnung auf Bedürfniserfüllung. Wir alle haben wichtige Grundbedürfnisse, die wir in nahen Beziehungen zu erfüllen suchen. Darunter fällt das Bedürfnis nach Nähe, Geborgenheit, Zugehörigkeit, Zuneigung, Interesse, verstanden werden, Respekt, Anerkennung und Akzeptanz. Es kann vorkommen, dass diese Bedürfnisse unbefriedigt bleiben, weil Du entweder nicht liiert bist, über keine engen Freundschaften verfügst oder in einer Partnerschaft lebst, die Deine Bedürfnisse nicht abdeckt. Da wir Menschen auf Bedürfniserfüllung ausgerichtet sind, bist Du offen und empfänglich für Hinweise auf Möglichkeiten, wie Deine Bedürfnisse erfüllt werden können. Kein Wunder also, dass Dich ein Mensch anzieht, der durch sein Verhalten oder seine Art in Dir die Hoffnung weckt, dass mit genau diesem Menschen Deine Bedürfnisse erfüllt werden könnten. Es ist demnach nicht unbedingt die Person als solches, die Dich anzieht, sondern vielmehr das, was Dir die Beziehung mit dieser Person verspricht.

Wenn Du in einer festen Partnerschaft lebst und Dich ungewollt in einen anderen Menschen verliebst, lohnt es sich deshalb genau hinzusehen und sich zu fragen: Welche Bedürfnisse erhoffe ich mir zu erfüllen, wenn ich mit diesem Menschen eine Beziehung eingehe? Kann ich diese Bedürfnisse allenfalls auch in meiner jetzigen Partnerschaft erfüllen? Wie wichtig sind mir die Bedürfnisse, die in meiner jetzigen Partnerschaft erfüllt sind?

Kein anderer Mensch wird je alle unsere Bedürfnisse abdecken können und mit einem neuen Menschen an der Seite bleiben dann wieder andere Bedürfnisse unerfüllt, die in der jetzigen Partnerschaft abgedeckt sind. Ich denke, dass es letztlich unsere Aufgabe ist zu erkennen, was wir brauchen, und wie wir unsere Bedürfnisse erfüllen können – in unserer Beziehung oder auch alleine ausserhalb der Beziehung. Die meisten unserer Sehnsüchte bezogen auf andere Menschen lassen sich auch in Freundschaften oder durch Zugehörigkeit zu einem Verein oder einer Gruppe gleichgesinnter Menschen leben. Dies allerdings nur, wenn wir uns diesen Beziehungen genauso öffnen wie einer Partnerschaft. So entscheidet der ehrliche Blick auf sich selber und die bestehende Partnerschaft, ob es sich lohnt, an der Partnerschaft zu arbeiten, sich anderweitig zusätzliche Impulse und Erfüllung zu suchen oder die Partnerschaft aufzulösen und eine gänzlich neue Liebesbeziehung einzugehen.

3. Ungelebte Anteile ziehen uns oft unbewusst zu jenen Menschen hin, die unser Wachstum und unsere persönliche Entwicklung fördern können. So kann es geschehen, dass Du Dich zu einem bestimmten Menschen hingezogen fühlst, weil er bspw. Verhaltensweisen zeigt und vorlebt, die Du Dir insgeheim für Deine eigene Entwicklung wünschst, aber selber noch nicht lebst. Diese Form der Anziehung wird sicher einen grossen Anteil an Bewunderung oder Verehrung für die andere Person beinhalten. Dabei ist es wiederum weniger die Person selber, die Dich anzieht, sondern vielmehr die Werte, der Lebensstil und die Kompetenzen, die Du mit der Person in Verbindung bringst.

Was Du im anderen erkennst, spiegelt Dir Deine eigene Sehnsucht nach persönlicher Weiterentwicklung in dieselbe Richtung. Wenn Du diese erst erkennst, dann steht Deinem eigenen Wachstum nichts mehr im Weg. Du kannst Dir überlegen, welche Schritte Du selber unternehmen kannst, um in Deine eigene Grösse zu wachsen, und wie Du Dich von der bewunderten Person inspirieren lassen kannst.

4. Ebenso wie ungelebte Anteile, die endlich gelebt werden wollen, können unerlöste Themen und Verletzungen darauf drängen, endlich geheilt zu werden. Du hast sicher schon davon gehört, dass Menschen, die als Kinder missbraucht wurden, sich im erwachsenen Leben oft wiederum in Beziehungen finden, in denen sie erneut Missbrauch erleben. Wie kann es dazu kommen? Im Grunde ist die Antwort einfach – wir lieben, was uns vertraut ist. Davon werden wir angezogen unabhängig davon, ob es uns schadet oder dient. Was erstmal ungünstig erscheint, beinhaltet aber eine grosse Chance, nämlich die Chance auf Heilung.

Wenn wir uns von einem Menschen angezogen fühlen, in dessen Nähe wir uns klein, unbedeutend oder sogar wertlos fühlen, dann hilft ein tieferer Blick.

Es ist wichtig hinzuspüren und die Muster zu erkennen, die endlich durchbrochen werden wollen. Welche alten Verletzungen wollen geheilt werden? Welche Erinnerungen ruft das Verhalten dieses Menschen in uns wach? Welche Gefühle erlebe ich infolge des Verhaltens des anderen Menschen und auf welche dahinterliegenden Bedürfnisse weisen diese Gefühle hin?

Die Erkenntnis, dass wir uns von einem Menschen angezogen fühlen, mit dem wir frühere, verletzende Erfahrungsmuster wiederholen, befreit uns. Wir können uns dafür entscheiden, dieses Mal hinzusehen, die Themen endlich zu bearbeiten und die Muster zu durchbrechen. Und wir können uns dafür entscheiden, unvertraute, neue Erfahrungen zu sammeln, uns der damit verbundenen Unsicherheit und Angst zu stellen und damit letztlich einen ersten Schritt in Richtung Glück zu gehen. Wer sich Unbewusstes bewusst macht, gewinnt die Freiheit und die Möglichkeit, sich neu auszurichten auf seine wahren Bedürfnisse.

5. Ein letzter Grund dafür, weshalb wir uns von bestimmten Menschen wie magisch angezogen fühlen, berührt eine weit tiefere Ebene – die Sehnsucht nach unserem unsterblichen Selbst und unserem spirituellen Ursprung. Es gibt viele Theorien und Konzepte, die sich dem Thema Seelenverwandtschaft widmen. Diese Zeilen spiegeln meine persönliche Ansicht wider und erheben keinen Anspruch auf Gültigkeit. Ich glaube, dass wir spüren, wenn wir Menschen begegnen, die denselben spirituellen Ursprung haben. Sei es, dass wir aus demselben Universum kommen oder sei es, dass unsere Mission auf diesem Planeten eine ähnliche ist – ich glaube, dass wir uns erkennen und finden und sich dies in Form einer starken Anziehung zeigt. Was uns meist komplett unbewusst ist, äussert sich in einer intensiven Anziehung, die uns manchmal ebenso fremd wie unverständlich ist und sich mit dem bewussten Verstand nicht erklären lässt. Und doch ist sie spürbar, diese Kraft, diese Vertrautheit, dieses unsichtbare Band. Ich glaube, dass dieser Anziehung unsere Sehnsucht unterliegt, uns selber zu erkennen. Den unsterblichen Kern unseres Selbst zu spüren und zu sehen – das, was uns ausmacht und uns mit unserem spirituellen Ursprung verbindet. Letztlich wird darin auch der Wunsch spürbar, sich vollends zu erfahren und sich ganz zu fühlen. Es mag ein Stück Heimweh mitschwingen und die Sehnsucht, wieder in die Einheit – das All-Eins – einzutauchen. Wir werden an unsere eigene Sehnsucht nach Vollendung und die Sehnsucht nach uns Selbst erinnert.

Dies sind aus meiner Sicht die gängigsten Erklärungen dafür, warum wir uns von einem Menschen angezogen fühlen. Was mich persönlich an diesem Thema berührt, ist die Tatsache, dass wir immer etwas über uns erfahren, wenn wir hinschauen und aufdecken, worin die Anziehung besteht. Jedes Mal, wenn Du Dich zu einem Menschen hingezogen fühlst, den Gründen nachspürst und Erkenntnisse gewinnst, entdeckst Du vielleicht eine neue Seite an Dir. Du erhältst ein Puzzleteil mehr, das Dir ermöglicht, Dich ein Stück besser zu erkennen und ein wenig vollständiger zu fühlen. Dies allerdings nur, wenn Du die Chance auf Erkenntnis nutzt und Dir die Zeit nimmst, genau hinzuspüren.

Ob Du der Anziehung dann folgst und Dich auf den Menschen einlässt – in welcher Form auch immer – sehe ich nur als eine Möglichkeit, die jedoch nicht zwingend ist.

Der Anziehung muss keine Handlung folgen. Gefühle bedingen keinen Handlungszwang. Wir sind frei, uns bewusst für oder gegen eine Handlung zu entscheiden, und es bewährt sich oft zunächst zu erkennen, was uns zieht, und erst dann zu entscheiden, was wir tun.

Dafür ist es hilfreich, die ersten intensiven Gefühlswellen für sich selber zu durchleben und einfach hinzuspüren. Allenfalls auftretende einschränkende Gedanken («das darf nicht sein», «warum nur, ich bin schlecht, dass ich so fühle…») vorbeiziehen zu lassen und sich darauf zu fokussieren, verstehen zu wollen. Tiefer blicken zu wollen und die Chance nutzen zu wollen, dieses wertvolle Puzzleteil für sich zu sammeln und ins Bild über das eigene Selbst zu integrieren.

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